Gründungsgeschichte

Direkt nach dem Krieg begann die Arbeit

Wenige Wochen nach Kriegsende: Hunger und Elend beherrschten das Leben. Es galt den Wiederaufbau zu bewerkstelligen. Der Aufbruch in eine neue Zeit stand bevor. Karl Senk berichtet über mutige Männer der ersten Stunde, über die Gründungsväter der CDU in Dellwig.

Johannes Bäckers, Heinz Drießen und die verstorbenen Emil Pauli und Heinrich Thomas waren die Männer der ersten Stunde. Im Juni/Juli 1945 - der genaue Tag läßt sich nicht mehr bestimmen - nur wenige Wochen nach dem grauenvollen Zweiten Weltkrieg und dem Ende der nationalsozialistischen Terrorherrschaft wagen sie unter den schwierigsten äußeren Lebensbedingungen einen Neubeginn nach demokratischen und christlich-sozialen Wertorientierungen. Dabei hatten die Männer keine Wiederbelegung der (katholischen) Zentrumspartei im Auge, sondern eine Partei mit überkonfessionellem Charakter.

Sie waren Dellwiger; stammten aus christlich gesinnten Familien aus dem Arbeitnehmermilieu, die dem Nazi-Regime auch vorher schon ablehnend gegenüberstanden. Die jüngeren unter ihnen waren durch die katholische Jugendarbeit und die Sportbewegung (DJK), die älteren durch den katholischen Arbeiterverein (der heutigen KAB) und die christlichen Gewerkschaften geprägt. Schriftliche Unterlagen aus der Anfangszeit gibt es nicht, denn diese Tätigkeit auf politischem Gebiet war illegal. Bei Versammlungen galt das gesprochene Wort. Aus früheren Erzählungen von Mitgliedern aus dieser Zeit, nur wenigen Archivunterlagen, wie Mitgliederlisten ab 1946, Vorstands- und Mitarbeiterverzeichnissen ab 1947, verschiedenen Protokollen (die Wilhelm Franke noch im Besitz hatte) und vor allem aus einem ausführlichen Gespräch mit Heinz Drießen, der gesundheitlich und geistig mit 80 Jahren noch wohlauf ist, ergibt sich ein zuverlässiges Bild der damaligen Situation.
Heinz Drießen wohnte bis 1950 in Dellwig und zog dann nach Bottrop. Er war zuletzt Abteilungsleiter des Lohn- und Belegschaftsbüros der Zeche Pros per 111/IV der damaligen Arenberg Bergbau-Gesellschaft mbH. 1972 trat er in den Ruhestand. Er schildert die damalige Situation so. "Die Beziehungen nach Kriegsende zwischen der amerikanischen Besatzungsmacht (ab September 1945 war es die britische) zur Bevölkerung war deutlich auf ein Sieger-Besiegte-Verhältnis abgestellt. Erst nach und nach kommt es bei der Bewältigung der Berge von Problemen zu kooperativen Formen der Zusammenarbeit".

Es herrschten in den ersten Monaten Ausgeh- und Versammlungsverbote. Eine Ansammlung von mehr als fünf Personen war untersagt. Die Gründung von Parteien war verboten. Die Gaststätten, soweit sie den Bombenkrieg überhaupt Überstanden hatten, blieben bis auf weiteres geschlossen.
So trafen sich Johannes Böckers, Heinz Drießen, Emil Paul! und Heinrich Thomas an einem Tag im Juni/Juli 1945 mit Zustimmung von Pfarrer Hermann Krahe zu einer ersten Besprechung zur Parteigründung in der Sakristei der St. Michaels-Kirche. Das Kirchengebäude lag in Trümmern. Unter der Orgelbühne war notdürftig ein Raum in Selbsthilfe von Pfarrangehörigen, vor allem von Bergleuten, zur Abhaltung von Gottesdiensten hergerichtet worden. Die Sakristei konnte nach Reparaturen halbwegs wieder benutzt werden.

Dieser neutrale und unauffällige Ort ist also zur persönlichen Sicherheit der Beteiligten gewählt worden. Vorher hatte man sich gegenseitig versichert, daß niemand von ihnen eine NS-Vergangenheit hatte.

Zu diesen vier Männern muß Paul Schlagheck gestoßen sein, der Verbindungen zum Kreis der Männer und Frauen in der Innenstadt hatte, die sich hier mit der Gründung einer christlichen und gleichermaßen demo-kratischen Volkspartei beschäftigten.

Treffen in der Sakristei

Es gehörten dazu Heinrich Strunk, Mathilde Kaiser und Dr. Hans Toussaint, um nur einige wenige führende Köpfe zu nennen. Paul Schlagheck muß so etwas wie ein Kurier gewesen sein, denn die Verkehrsverhältnisse lagen darnieder. Die Wege mußten zu Fuß oder per Fahrrad zurückgelegt werden. Er hatte sehr wahrscheinlich Idee und Informationenzu .transportieren".
Nur wenige Zeit nach der ersten Zusammenkunft war die Wohnung von Schlagheck mehrere Male Treffpunkt. Die weitere Rolle von ihm in der CDU Dellwig ist nicht bekannt. Später war er Mitglied des Entnazifizierungsausschusses.

Bei der Umschau nach möglichen Mitgliedern hat sich die Gründungsgruppe zunächst auf den engeren Familien- und Bekanntenkreis beschränkt, denn sie mußten sich absolut aufeinander verlassen können, um gegenüber der Besatzungsmacht nicht aufzufallen.
Zu den ersten zwanzig Mitgliedern (diese Zahl ist bei den Nachforschungen mehrmals genannt worden), die sich der neuen Parteigruppierung anschlossen, gehörten auch Wilhelm Frank und Hans Drießen.

Als Name ist zunächst "Christlich-Demokratische Partei" gewählt worden. Die Vorstandsaufgaben hatten sich die Gründungsmitglieder wie folgt aufgeteilt: Hermann Böckers, 1. Vorsitzender; Heinrich Thomas, 2. Vorsitzender; Heinz Drießen, Schriftführer; Emil Pauli, Kassierer.

Am 15. September 1945 läßt die britische Militärregierung wieder demokratische Parteien auf Kreisebene zu. Nunmehr vergrößerte sich die Dellwiger CDU-Keimzelle rasch. Die offizielle Gründung der CDU- Kreispartei im Steeler Stadtgarten war am 27.01.1946. Die Lizenzurkunde der britischen Besatzungsmacht trägt das Datum vom 21.12.1946.

In einer Mitgliederliste aus dem Jahre 1946 mit der Eintragung von Beitragseinnahmen, die Heinz Drießen - wie er sich genau erinnert - selbst auf der Schreibmaschine auf der Prosperzeche geschrieben hat, sind 60 Männer und Frauen aufgeführt.

Die älteste überlieferte Niederschrift der Generalversammlung am 21.03.1948 (ausgefertigt am 23.02.1948) im Saal der Gaststätte Niestendietrich an der Donnerstraße führt nach den angesetzten Wahlen folgenden Vorstand auf. 1. Vorsitzender: Hermann Böckers; 2. Vorsitzender: Karl Höfer; 1. Schriftführer Paul Schmidt; 2. Schriftführer: Heinz Drießen; 1. Kassierer: Hans Drießen; 2. Kassierer: Wilhelm Wirz; Beisitzer: Michael Mindermann, Willi Franke, Josef Kinold, Hermann Bolting und Hans Voisthenrich. Dazu werden eine Reihe weiterer Mitarbeiter für die verschiedenen Ausschüsse genannt. Die vorhandenen Archivunterlagen und das Ergebnis der Nachforschungen belegen die historische Tatsache, daß die CDU auf der Dellwiger Ortsebene schon sehr früh ins Leben gerufen worden ist. Das alles vollzog sich vor dem Hintergrund einer katastrophalen Ernährungs-, Wohnungs- und Wirtschaftslage für die Bevölkerung.

Doch die Neubildung einer Partei gehörte zu den ersten Regungen des politischen Lebens, um neue Wege in eine bessere Zukunft zu finden.

Am 13.10.1946 waren bereits die ersten freien Kommunalwahlen nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes.

Der CDU-Ortsverband Dellwig hat in seiner 50-jährigen Geschichte sechs Vorstandsvorsitzende erlebt: von 1945 - 1949 Hermann Böckers, von 1949 - 1951 Paul Schmidt, von 1951 - 1968 Wilhelm Franke, von 1968 - 1976 Hans-Günter Voß, von 1976 - 1979 Irmgard Overmeyer und seit 1979 Klaus Pfahl.

(Aus: 50 Jahre CDU Bezirk Essen-Borbeck, Essen 1996)

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